Meine Gedanken zum Coming Out Day’26.
Heute ist Sonntag, der 11.10.26. Es ist 11 Uhr während ich diesen Post beginne. Ein Zufall, ich mag ihn. Und nein – es ist keine Schnapsidee von mir.
Ich habe mich gefragt, was mich der Tag angeht, hatte ich doch mein Coming Out vor einigen Jahren. Ich bin nichtbinär. Ich möchte es noch einmal hinschreiben. Es bedeutet mir viel, auch wenn ich im Alltag wenig davon merke. Ständig werde ich falsch gegendert. Wie sollte ich es den Leuten verdenken. ich trage kein Label auf der Stirn, ganz selten einen Anstecker. Selbst denen, die es wissen könnten, fällt es schwer, mich richtig anzusprechen. Manchmal weiß ich selbst nicht, was ich ihnen auf Nachfrage antworten soll.
Gerade erst wieder geschehen: „Wie soll ich Sie denn rufen, wenn Sie im Nebenraum sind?“ Was ist hier die richtige Antwort? Ich sage meist, rufen Sie mich doch mit Vor- und Nachnamen. Aber den Vornamen kennen die meisten nicht mal. Sehr sympathischen Menschen biete ich das Du an. „Sag doch einfach Eo“.
Bei den anderen mache ich mir meist nicht die Mühe, sie zu korrigieren.
Ich habe also festgestellt, dass dieser Tag heute mich doch sehr angeht. Zum Einen, weil wir nichtbinären Menschen uns so ziemlich jeden Tag wieder outen müssen. (Das trifft auf die meisten queeren Menschen genauso zu.) Zum Anderen möchte ich ein Vorbild für alle sein, die sich noch nicht getraut haben, diesen Schritt zu gehen. Ich habe mich 2021 in der Familie geoutet, meinen Namen gefunden und mich dann nach und nach meinem direkten Umfeld geoffenbart. 2024 habe ich den Antrag auf Änderung des Geschlechtseintrags und die Namensänderung nach SBGG gestellt. Diese wurde im Januar 2025 wirksam. Ich habe diesen Schritt bisher nicht bereut. Ich wünschte mir nur, dass die Gesellschaft lernen würde, nicht jeden Menschen direkt mit Herr oder Frau anzusprechen.
Dämlich finde ich es z.B. in jedem Restaurant mit „die Dame“ angesprochen zu werden. Höflichkeit ginge auch anders.
Ich habe bei MinaS , der Selbstvertretung für Menschen im nichtbinären und agender Spektrum, den Hinweis auf einen schönen kleinen Flyer gefunden, der zusammengefaltet in fast jede Hosentasche passt. Ihr könnt ihn auf dem Jaddy-Blog anschauen und herunterladen. Hier—>
Da heißt es:
Herzlichen Glückwunsch!
Du hast gerade eine nicht-binäre Person kennengelernt.
Wir sind selten und kostbar und bringen denen Glück, die nett zu uns sind.
(Dazu ist ein Herz aus nichtbinären Farben abgebildet.)Nicht-binäre Menschen sind nicht, nicht vollständig oder nicht dauerhaft „männlich“ oder „weiblich“ bzw. „Mann“ oder „„Frau“.
Nicht-binär betrifft das gelebte soziale Geschlecht (Gender).
Es hat nichts mit Körperlichkeit zu tun.
Nicht-binäre sehen aus wie alle anderen Menschen.
Es gibt kein nicht-binäres Aussehen.Nicht-binär ist kein „Drittes Geschlecht“.
Es gibt viele nicht-binäre Gender.
Manche Menschen haben gar kein Gender-Geschlecht.
Dazu gibt es ein Bild aus bunten, ineinander übergehenden Farben. Auf dem Bild steht links „weiblich“ und rechts „männlich“ und es steht dazwischen und außerhalb des Bildes vielmals „nicht-binär“.
„Divers“ ist nur eine amtliche Sammelbezeichnung. Nicht alle Nicht-binären Menschen sind „divers“.So kannst Du nett zu uns sein:
Respektiere uns wie wir sind, unsere Namen und Pronomen.
Vermeide „er/sie/es“, „der/die/das“, „Herr/Frau“, „Junge/Mädchen“.
Verwende den Namen, wenn die Pronomen nicht bekannt sind.
Sprich neutral von „der Person“, „«Name>“ oder mit „“ (Freundin).
Schreibe in Briefen oder E-Mails „Guten Tag Vor-/Nachname“ oder
„Hallo Vor-/Nachname“.Benutze Gender*sternchen oder schreibe neutral. Damit fühlen wir uns wirklich „mitgemeint“.
Suche nicht nach „typisch Mann/Frau“ Eigenschaften, oder was wir „eigentlich“ sind.
Trau uns ruhig alles zu. Wir sind nicht auf eine Rolle beschränkt.
Schliesse nicht von Aussehen, Körper oder Kleidung auf Geschlecht oder Anrede.
Wir kleiden uns, wie wir uns gut fühlen, nicht um Gender zu spielen.Akzeptiere uns in gegenderten Umgebungen, z.B. Toiletten, Umkleiden, Läden.
Viele von uns fühlen sich dort auch nicht wohl.
Oute uns nicht ungefragt bei anderen. Das kann uns in Gefahr bringen.
Biete Unterstützung an, wenn andere nicht nett sind.
Hilf anderen, die uns noch nicht kennen.Frage gerne, aber respektiere ein Nein.
Auch wir haben eine Intimsphäre und nicht immer die Kraft zu erklären.
Die häufigsten Fragen sind schon an vielen Stellen im Internet beantwortet.Die Farben der Pride Flag bedeuten:
(Die Farben werden jeweils durch ein Herz dargestellt):
Gelb – außerhalb der Binarität
Weiß – alle Gender
Violett – fluide, vielfältig
Schwarz – kein GenderWeitere Informationen:
Wiki: Nichtbinäre Geschlechtsidentität (QR-Code)
Nibi.space (QR-Code)(C) Discord „Nicht-binäre Menschen“
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